Rachel Z Omar Hakim Trio im Stuttgarter Jazzclub BIX 2025

Rachel Z – Piano
Omar Hakim – Drums
Jonathan Toscano – Bass
Stuttgart, 7.11.2025
Die Magie der Drumming-Ikone und der „Queen of Piano-Fusion“
Von Weather Report zu Dire Straits, David Bowie, Sting, Madonna und die perfekte Schwingung
Wohl selten wurde im BIX eine Ehekonstellation in so einer perfekten und liebevollen Schwingung demonstriert. Diese beiden miteinander verheirateten Fusion-Ikonen teilen nicht nur Tisch und Bett miteinander, sondern auch musikalische Vorlieben. Seit Dekaden bereichern die Pianistin / Keyboarderin Rachel Z und ihr Göttergatte, der Schlagzeuger Omar Hakim, die Szene und prägten unter anderem unsere Vorstellung davon, wie Musik zwischen Jazz und Rock im Idealfall klingen kann. Die Biografien dieser beiden Größen lesen sich wie ein Who´s Who der jüngeren Musikgeschichte. Rachel Z legte eine Reihe bemerkenswerter Solo-Alben vor, spielte mit Al Di Meola oder Steps Ahead und hatte maßgeblichen Anteil am Gelingen von Wayne Shorters Grammy-gekröntem Album High Life.
Der inzwischen 69-jährige Omar Hakim begann im Alter von fünf Jahren Schlagzeug zu spielen. Sehr früh jammte er mit seinem Jugendfreund Marcus Miller und stieg im jungen Alter von 22 Jahren bei der legendären Jazzformation Weather Report ein, was ihm ermöglichte von Jazz Legenden wie Wayne Shorter und Joe Zawinul in großem Masse musikalisch zu profitieren. Omar Hakim, an diesem Namen kommt man einfach nicht vorbei, wenn man an einige Welthits aus der „goldenen Pop-Ära“ denkt. Einige Beispiele gefällig? Dire Straits „Money For Nothing“, David Bowies „Let’s Dance“ oder „China Girl“, Stings erstes Soloalbum „The Dream Of The Blue Turtles“, aber auch Daft Punks „Get Lucky“ und unzählige andere ikonische Songs und Alben mehr, die sich seit mittlerweile Jahrzehnten in den Playlisten halten.

Auch live war er mit Madonna, Céline Dion, Kate Bush und vielen anderen unterwegs. Aber Omar Hakim ist natürlich kein Relikt aus vergangenen Tagen, sondern ein nach wie vor höchst agiler Musiker, der neben seinen technischen Fertigkeiten und kreativen Ideen über einen nahezu unvergleichbar großen Erfahrungsschatz verfügt. Diesen immensen Erfahrungsschatz teilte er an diesem Tag bereits am Nachmittag in einem Workshop für Schlagzeuger der Musikhochschule Stuttgart und andere Interessierte. Das Trio wird komplettiert durch den Bassisten Jonathan Toscano, der für seine melodischen und komplexen Basslinien bekannt ist.
Von der Liebe zur Musik, beschwörenden Grooves und Sinnlichkeit
Von Anfang an wird an diesem Abend klar, dass diese musikalische Reise eine unvergessliche wird. Eine unwahrscheinliche Musikalität von drei Individualisten mit perfektem Timing und Gespür für den Partner erschaffen eine musikalische Synergie die beschwörend und zutiefst bewegend ist. Von intimen Balladen bis hin zu ansteckenden Grooves lädt jeder einzelne Track auf eine sinnliche klangliche Reise ein. Rachel Z betört mit ihrem ausdrucksstarken Spiel, ihre innovativen Kompositionen verschieben die Grenzen der zeitgenössischen Musik indem sie Elemente aus Jazz, Rock, Folk und Global Sound kombiniert. Die breite musikalische Palette die Rachel Z aufbereitet ist nicht zuletzt das Ergebnis ihrer Kindheit, die sie in New York verbrachte.

Ihre Mutter war eine renommierte Opernsängerin, ihr Vater Kunstmaler. Bereits mit zwei Jahren bekam sie Gesangsunterricht, mit sieben saß sie am Klavier und mit neun besuchte sie das erste Mal das große New Yorker Opernhaus. „Mein erstes Puppenhaus war das Metropolitian Opera Haus, komplett mit Bühne und Puppen, die als Sänger fungierten“ erzählte sie einmal in einem Interview. Mit fünfzehn gab es dann die Kehrtwendung Richtung Jazz, als sie zum ersten Mal Miles Davies hörte und nicht viel später ihre erste eigene Band gründete. Beeinflusst wurde sie in den folgenden Jahren von Jazzern wie Dexter Gordon oder Bill Evans die sie in Clubs wie dem Village Vanguard live sah und hörte. Rachel hat ebenso wie ihr Ehemann eine enge Beziehung zu Wayne Shorter, was sie an diesem Abend bei Ihren Ansagen mehrfach betonen.
Die empfindsame Seele der Musik und der Bodhisattva
Vom ersten Ton an hat man das Gefühl einer „Seelenberührung“ so sanft und eindrücklich verfestigt sich dieser harmonische Klangteppich beim Zuhörer. Kein Wunder, ist der erste Titel des Abends mit „Save my Soul“ betitelt. Die Bandbreite dieser musikalischen Reise an diesem Abend ist wie ein nichtendendes Füllhorn aus dem eine Überraschung nach der anderen herausfließt. Ruhige harmonische Melodien die aus Rachels Klavier herausschweben, bei denen Omar Hakim sein Drumset sanft streichelt und die leisen Bassklanglinien von Toscano das Ganze „unterfüttern“, erfüllen den Jazzclub mit einer kaum zu greifenden Energie, die Gänsehaut erzeugt und wohlige Schauer auslöst.
Das Musikerehepaar hat viele Geschichten auf Lager, die sie zwischen den Songs erzählen, Die Harmonie zwischen den Beiden ist nicht nur musikalisch spürbar, auch bei den Geschichte aus dem Musiker- und Eheleben erlebt man diese Einheit und die Liebe zwischen den Beiden. Augenzwinkernd mit liebevoller Ironie necken die beiden sich immer wieder, zwischen den äußerst interessanten Erzählungen aus der Musikerleben der beiden Ausnahmekünstler.

Auch Bassist Toscano darf mal das Mikro ergreifen um eine eigene Komposition anzusagen. Humorvoll bemerkt er: „Das ist das erste Mal, dass ich auf der Bühne etwas sagen darf“. Toscano ist kein Anhängsel der Beiden, er ist vollkommen integriert ist das Spiel, dass in den gut neunzig Minuten wie aus einem Guss rüberkommt. Jeder der Drei fasziniert auf seine Weise das Publikum, alle drei Musiker spielen äußerst virtuos, vielfältig und auf höchstem Niveau.
Besonders, wie nicht anders zu erwarten, hinterlässt Hakim bei seinem an Geschwindigkeit aber auch an Leichtigkeit kaum zu überbieteten Schlagzeugsolo, erst Fassungslosigkeit dann überbordende Begeisterung bei Stuttgarter Publikum. Manches stimmt auch nachdenklich an diesem Abend, wenn Rachel Z über Straßenkinder, Armut und Mitgefühl spricht. Passend dazu spielen die Drei dann das unter die Haut gehende Stück „Bodhisattva“, was nicht anderes bedeutet als, der Buddha des Mitgefühls, was dann übergangslos mit dem Song „What about the Kids“ komplettiert wird.
Nur dreimal exklusiv in Deutschlands Jazz Clubs
„Wir kommen gerne nach Europa, irgendwie sind die Leute hier gechillter und begeisterungsfähiger als in unserer Heimat und dafür ist sie äußerst dankbar“ erzählt Rachel Z vor dem letzten Stück der offiziellen Setlist. Trotzdem sind es nur drei exklusive Clubkonzerte in Deutschland (Stuttgart, München, Hamburg) bevor es zurück geht in die Staaten. Beim abschließenden „Sensual“ sind durchaus europäische Einflüsse hörbar, das Esbjörn Svensson Trio lässt grüßen. Das begeisterte Publikum lässt die Drei nicht von der Bühne und wieder hat die Pianistin eine passende Geschichte für den folgenden Song auf Lager. Als die amerikanische Rockgruppe „Foo Fighters“ im Madison Square auftraten, wollte das Musikerehepaar, die Fans dieser Band sind, das Konzert besuchen, was wie immer bei den Fighters, ausverkauft war.
Kurzentschlossen versuchte Hakim den Schlagzeuger der Band zu kontaktieren, was auch gelang. Es gab Tickets für das Konzert und zudem entstand eine Freundschaft zwischen den Beiden und der Rockband, die bis heute Bestand hat. Entsprechend stellten sie sich dann der Challenge, Coversongs der Foo Fighter Songs einzustudieren. „These Days“ einer der bekanntesten Songs wird wunderbar und phantasievoll in einer Rachel-Hakimschen Version gespielt und danach ist immer noch nicht Schluss. „Forgive me“ ein traditionelles Hawaiianisches Volkslied beschließt den musikalischen Teil des Abends, aber nur den musikalischen. Selbst nach dem diesem energiegeladenen und intensiven Musikabend nimmt sich Omar Hakim noch die Zeit für Selfies und Gespräche mit den vielen anwesenden Schlagzeugern und seinen Schülern vom Workshop am Nachmittag. Was bleibt, ist ein Meilenstein in der BIX-Konzert-Historie und der Eindruck einen unvergleichlichen Abend mit äußerst sympathischen Musiklegenden verbracht zu haben.
Fotos Wolf-Peter Steinheisser
Text Harald Kümmel
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