Konzerte

movin’ & groovin’ im Jazzclub Bix Stuttgart 2025

Cemre Yilmaz (voc)
Marc Roos (trb; fx)
Christoph Neuhaus (git)
Toni Farris (keys)
Alex Merzkirch (b)
Daniel Mudrack (dr)

Stuttgart, 4. 12. 2025

Ein grooviger Jazzeintopf mit Würze

Ein Dauerbrenner im BIX ist diese Band, die Elemente aus Jazz, Funk, Soul und Beatkultur miteinander verbindet und auf die Bühne bringt. Wer Musik zum Bewegen in handwerklich solider Ausführung erwartet, ist heute Abend goldrichtig, diejenigen die auf Neues und Überraschendes warten, werden unter Umständen enttäuscht sein. Meist hat Posaunist Marc Roos einen festen Stamm an Musikern um sich geschart, nur an diesem Abend fehlte der etatmäßige Drummer Stephan Schuchardt, der durch den Schweizer Schlagzeuger Daniel Mudrack ersetzt wurde. Der größte Teil ihrer variablen Setlist besteht aus Coverversionen, die individuell meist ziemlich unkonventionell bearbeitet und präsentiert werden. Ergänzt wird das Programm mit Eigenkompositionen einzelner Bandmitglieder.

Die Posaune dominiert bis die charismatische Stimme erscheint

Der Beginn des Konzertes groovt erstmal gar nicht, die ersten Minuten kommen eher experimentell mit funkigen Elementen rüber, es entsteht eine Art Zwiegespräch zwischen Klavier und Posaune. Toni Farris am Klavier agiert eher zurückhaltend, nimmt dieses musikalische Gespräch aber gerne an. Marc Roos dominiert mit seinem Posaunenspiel, welches dann nach einiger Zeit ganz in ein Solo übergeht. Bei den ersten Stücken tobt sich die Band solistisch aus oder spielt sich warm, wie man’s nimmt. Unter anderem arbeiten sich die fünf Musiker an dem Ellis Marsalis Stück „Swinging at the heaven“ ab, die Solos geraten etwas lang, das Gitarrensolo von Christoph Neuhaus wirkt sperrig. Das Publikum im Stehplatzbereich scheint vorerst nicht ganz bei der Sache zu sein, da oftmals lautstarke Unterhaltungen die leisen Parts der Songs übertönen.

Das Ganze fesselt zunächst noch nicht, funkiger Mainstream der nicht so recht zündet. Ein kompletter Soundwechsel der einhergeht mit einem Stimmungswechsel im Publikum, geschieht als die Stuttgarter Sängerin Cemre Yilmaz auftritt. Es scheint so, als seien viele im ausverkauften BIX nur ihretwegen hier.

Der Zauber der glanzvollen Stimme funkelt nur kurz

Yilmaz verzaubert das Publikum mit ihrer geschmeidigen und ausdrucksstarken Stimme von Beginn an. Die Präsenz der Zuschauer ist im Gegensatz zur ersten halben Stunde regelrecht zu spüren. Niemand unterhält sich mehr, ist man doch gefesselt von dem stimmlichen Vortrag auf der kleinen Bühne im Jazzclub. Bei dem Marvin Gaye Stück „Sunny“ schaltet sich Posaunist Roos mit einer elektronisch verfremdeten Stimme auch gesanglich ein, was durchaus reizvoll ist und den oft interpretierten Song zu einem ganz besonderen Musikstück macht. Man hätte sich mehr gewünscht von dieser wunderbaren stimmlich-instrumentalen Verschmelzung, doch leider war vor der Pause nach drei Stücken mit Sängerin Yilmaz Schluss. Es blieb der Wunsch zu mehr stimmlicher Präsenz in der zweiten Konzerthälfte, der dann in Ansätzen erfüllt wurde.

Die funkig groovige Jazzsuppe köchelt weiter

Snarky Puppy, schon öfters zu Gast bei den Jazz Open scheint der Favorit auf der Setlist der Band zu sein. „I´m not the one“ und „Atchafalaya“ werden mit individuellen Variationen versehen, reißen aber nicht mit und unwillkürlich entsteht der Eindruck, dies so ähnlich schon hundertmal gehört zu haben. Lediglich Toni Farris, der zeitweise wie Rumpelstilzchen hinter seinem Klavier herumspringt und Gitarrist Christoph Neuhaus sorgen für einige solistische Glanzpunkte. Die Rhythmusmaschine Alex Merzkirch/Bass und Daniel Mudrack/Drums bleibt relativ unauffällig und Sängerin Cemre Yilmaz glänzt nochmal mit einem leider kurz geratenen Auftritt.

Und so köchelt die groovig funkige Jazzsuppe weiter, handwerklich gut gemacht, aber irgendwie fehlt die Würze. Die Posaunensolos, ebenfalls handwerklich gut gespielt, geraten nach wie vor zu lang und sind eher für Fans der Posaune geeignet und lockern die angestrebte Movin’ & Groovin‘ Stimmung im Club nicht gerade auf. Nach gut 100 Minuten und einer Zugabe klingt das Ganze dann aus, mit der Erkenntnis einen groovigen gut gekochten Jazzeintopf genossen zu haben, dem aber das gewisse Etwas, sprich die entscheidende Würze gefehlt hat.

Harald Kümmel

Portraits von Cemre Yilmaz

Portraits von Marc Roos

Portraits von Christoph Neuhaus

Portraits von Daniel Mudrack