Konzerte

Jochen Rückert New Quartet im Pappelgarten Reutlingen 2026

Alexandra Ridout – tp
Kevin Sun – ts
Hamish Smith – b
Jochen Rückert – dr

Reutlingen, 11.03.2026

Das Jochen Rückert New Quartet dreht beim Jubiläumsfestival im Pappelgarten mächtig auf

Das Publikum ist kürzlich in stattlicher Zahl in den Pappelgarten gepilgert, um im Rahmen des zehnjährigen Jubiläumsfestivals mit dem Jochen Rückert New Quartet eine Band zu erleben, die gekonnt zwischen Bebop-Tradition und vielschichtiger Moderne balancierte und durch wohlstrukturierte Formen überzeugte, ohne das weite Feld freier Improvisation zu vernachlässigen.

Da hat der seit 1995 in New York lebende Kölner Drummer Jochen Rückert drei junge Musiker um sich geschart, die aus Neuseeland, den USA und England stammen und alle in New York eine neue Heimat gefunden haben: Die erst 24-jährige, gebürtige Londonerin Alexandra Ridout an der Trompete, die erst kürzlich den von New Music USA verliehenen „Jazz Legacy Award“ erhalten hat. Auch der asiatischstämmige Harvard-Absolvent Kevin Sun gilt in seiner Heimatstadt New York als einer der gefragtesten Tenorsaxofonisten, dagegen ist er in Deutschland noch so gut wie unbekannt. Ähnliches gilt für den aus Neuseeland stammenden Hamish Smith, der in den USA als einer der talentiertesten Kontrabassisten gehandelt wird. 

Schnörkellosigkeit und entspannte Haltung

Verbindendes Element sind stets die geschickt getimten Einsätze und das rhythmisch robuste Spiel, die dieser zeitgenössische Jazz ausstrahlt. Und die Bereitschaft aller vier Musiker, ihr musikalisches Ich zu öffnen und nach außen zu tragen. Gerade in der Schnörkellosigkeit und entspannten Haltung, mit der vor allem die beiden Bläser dies tun, liegt der Reiz dieses gut anderthalbstündigen Konzerts. Eine Ausdrucksform dafür ist natürlich die langsame, melodisch gesättigte Ballade, die sich auf einem aufgefächerten Klanggrund bewegt, sich mehr auf Farbflächen von Tenorsaxofon, Trompete, Kontrabass und Schlagzeug als auf durchhörbare Linien konzentriert. 

Kompositionen wie „Walk of Shame“ oder „Rainbow Road“ setzen sich sofort in den Gehörgängen des Publikums fest mit ihrer rhythmischen Prägnanz und ihrer Liebe zum Detail. Die Eigenkompositionen von Bandleader Jochen Rückert sind klar aufgebaut, enthalten aber auch Widerhaken und Vertracktheiten, die den Wohlklang immer wieder unterbrechen. Alle Vier sind sie wohltuend fern davon, sich über Gebühr in den Vordergrund zu spielen. Allen voran wäre aber doch der 35-jährige Tenorsaxofonist Kevin Sun zu nennen: Sein Spiel ist tief in der Geschichte verwurzelt und klingt dennoch frei. Und selbst da, wo er sich verausgabt, wo er sich die Seele aus dem Hals bläst, wirkt er völlig entspannt und bleibt ganz klar auf seinem Weg. 

Obwohl das Jochen Rückert New Quartet noch nicht so lange besteht, ist die Formation bereits ein gut eingespieltes Team, das souverän zwischen lässigem single-note-Spiel und rasanten Läufen hin und her pendelt. Eine Werbung für den Jazz.

Jürgen Spieß

Portraits von Jochen Rückert