Konzerte

Jasmin Tabatabai im Jazzclub Bix Stuttgart 2025

Jasmin Tabatabai  (voc)
David Klein (sax)
Olaf Polziehn (p)
Gianni Narduzzi (db)
Hans Dekker (dr)
Ingo Schmidt (foh)

Stuttgart, 17.1.2026

Die Kommissarin und ihre Liebe zur Musik

Die meisten Menschen kennen die inzwischen 58-jährige Jasmin Tabatabai als Schauspielerin von Leinwand und Fernsehschirm, unter anderem als Kommissarin in einigen „Tatort“ Produktionen und aktuell in der Fernsehserie „Letzte Spur Berlin“. Über 30 Jahre steht die gebürtige Iranerin jetzt schon vor der Kamera und das mit großem Erfolg. Ihre musikalischen Fähigkeiten wurden erstmals 1997 in dem Kino-Blockbuster „Bandits“ einem größeren Publikum offenbart, in dem sie an der Seite von Katja Riemann eine Rockröhre spielte. Der Soundtrack zu diesem Film ist bis heute mit 700 000 verkauften Exemplaren, die europaweit erfolgreichste Filmmusikproduktion.

Jasmin Tabatabais Schauspielerkarriere beginnt 1992 (in „Kinder der Landstraße„), und was den wenigsten bekannt ist, mit Musik hatte sie schon ein paar Jahre zuvor begonnen. Ein Traum in ihrer Kindheit war schließlich auch, als „Straßensängerin durch Paris oder New York zu ziehen.“ 1988 ist sie auf der Stuttgarter Schauspielschule Mitbegründerin der Cover-Band namens „Goodbye Strassberg„, benannt nach dem gleichnamigen Schauspiellehrer Lee Strasberg. Im Jahr 1990 startet Jasmin Tabatabai  als Leadsängerin bei der Stuttgarter Jazz-Funk-Band „Eskimo’s Ecstasy“ und ihr schwäbisch ist durchaus passabel, was sie an diesem Abend beim Erzählen ihrer „Stuttgarter Geschichten“ beweist.

Ich bin keine begnadete Musikerin, kann noch nicht mal Noten lesen – aber trotzdem ist die Musik meine große Liebe„, meinte sie einst in einem Statement und das ist an diesem Abend durchaus spürbar. Als ihre Schauspielkarriere Ende der neunziger Jahre durch die Decke ging und trotz ihrer Vielbeschäftigung vor der Kamera, stand die Musik das ganze Leben immer auch in ihrem Focus.

Über Schloss Gripsholm zum Jazz und zur Knef

Bei den Aufnahmen des Soundtracks zu dem Film „Gripsholm“, lernt sie ihren heutigen „Musical-Director“, den Schweizer David Klein (der damals noch Schlagzeug spielte) kennen. Der Produzent und Arrangeur (der inzwischen Saxophon spielt), bot ihr eine Zusammenarbeit an, die bis heute anhält. Als Tabatabai  2011 das mit David Klein produzierte Album „Eine Frau“ veröffentlicht erhält sie postwendend den Echo Jazz Award 2012 für diese Produktion. Viele der Songs an diesem Abend sind aus diesem Album. Es sind alte Chansons, deutscher Sangeslegenden wie Hildegard Knef oder Marlene Dietrich, die sie mit teils verruchter Stimme, aber auch mit viel Zärtlichkeit und melancholischer Lebensfreude präsentiert.

Klar ist jedoch, dass die Deutsch-Iranerin (noch) nicht das Charisma einer Knef oder Dietrich hat und die Vergleiche der Süddeutschen Zeitung wirken da etwas weit hergeholt, ist es doch zum Legendenstatus ein weiter Weg. Tabatabai wirkt meist souverän, aber auch sehr zerbrechlich, als sie von ihrem Geburtsland erzählt und einem klar wird, wie sehr sie die aktuelle Lage im Iran beschäftigt und tief berührt. Mit stockender Stimme erzählt sie von ihren Sorgen um ihre Familie und von befreundeten Musikern, die einfach verschwunden und nicht mehr erreichbar sind. Dementsprechend gehen die beiden Songs die sie an diesem Abend in ihrer persischen Heimatsprache präsentiert richtig unter die Haut und hinterlassen ein beklemmendes Gefühl.

Mit dem Mey kehrt die gute Laune wieder zurück

Nach den berührenden und traurigen Worten über die aktuelle politische Lage in ihrem Heimatland kehrt Minuten später die entspannte und humorvolle Stimmung, die die Zuschauer durch den Abend trägt wieder zurück. Reinhard Meys Song über das Glück der Männer im Baumarkt, von Tabatabai humorvoll in ihrem ganz individuellen Stil vorgetragen, sorgt für lauter Lacher im Publikum und der Kloß im Hals den vielleicht manch einer verspürt, löst sich im Nu auf. Humorvolles zieht sich wie ein roter Faden durch den Abend, ob bei den Geschichten zwischen den Songs, oder bei den „Knefschen“ Chanson wie „Nichts haut mich um, aber Du“. Auch die „lasziv-sinnlichen“ Texte Tucholskys kommen zu Ehren, bei denen die Sängerin beweist, dass sie auch das berlinerisch in ihrem sprachlichen Repertoire hat. In Gesangspausen lehnt sich Tabatabai entspannt zurück und dreht sich seitlich zum Publikum.

Dann überlässt sie es ihrer großartigen Band zu glänzen und streift ihr Schuhe auch schon einmal ab. David Klein spielt sich mit zahlreichen virtuos-lebendigen Saxophon-Solos in den Vordergrund. Er schafft zusammen mit Gianni Narduzzi (Bass), Olaf Polziehn (Piano) und Hans Dekker (Drums) einen angenehm unaufgeregten und technisch raffiniert aufeinander abgestimmten Jazz-Sound. Tabatabai  vermag inmitten dieser intim-entspannten Orchestrierung gesanglich zu schillern, auch mit herzzerreißend leisen Tönen. Es ist ein melancholisch-tiefgründiges Jazz-Potpourri in deutscher, englischer, französischer und persischer Sprache und die „Viertelschwäbin“  haucht den ausgewählten Hits vergangener Tage neues Leben ein. Hat der Abend, in der kleinsten und intimsten Location ihrer Tournee, mit Schuberts „Ständchen“ ruhig und sanft begonnen, so klingt dieser ebenso ruhig kurz vor 23 Uhr mit einem Schlaflied aus, mit dem dezenten Hinweis, alle sollen schlafen gehen auch die Fotografen und die Kritikschreiber sind wohl ebenso gemeint.

Harald Kümmel

Portraits von Olaf Polziehn