Philipp Wissers Quartett – 5th Dimension

Philipp Wisser – Gitarre & Komposition
Christoph Klenner – Tenorsaxofon
Conrad Noll – Bass
Daniel Guerrero – Schlagzeug
Veröffentlichung 13.03.2026
Eine Realität, die zugleich simpel und endlos schön ist
Mit „5th Dimension“ legt der Düsseldorfer Gitarrist und Komponist Philipp Wisser ein Album vor, das zeitgenössischen Jazz in eine klare, reduzierte Ästhetik überführt. Ausgangspunkt ist keine theoretische Idee, sondern eine Erfahrung: die Schönheit des Einfachen – des Moments, der unmittelbar wirkt.

Über mehr als zwei Jahre formte Wisser gemeinsam mit Christoph Klenner, Conrad Noll und Daniel Guerrero ein Repertoire, das gleichermaßen reflektiert und energetisch klingt. Die Band arbeitete abseits klassischer Produktionslogiken: Sie ließ die Musik wachsen, hörte in sie hinein, verwarf, formte neu. Aufgenommen wurde schließlich live und ohne Overdubs – ein bewusstes Sich-Einlassen und ein ehrliches Porträt eines Quartetts, das im Titelstück durch Vincent Pinn am Flügelhorn eine prägende zusätzliche Stimme enthält.
Die Kompositionen verbinden moderne Grooves, lyrische Linien und offene Räume für Improvisation. Sie zeigen eine Band, die strukturelle Klarheit mit risikofreudigem Zusammenspiel verbindet und einen fokussierten, eigenständigen Sound entwickelt hat. Hier trifft Präzision auf Risiko, Tradition auf Gegenwart.

Warum existieren gewisse Harmonien überhaupt?
Philipp Wisser: „Allein der Begriff 5th Dimension lässt viel Spielraum für Interpretationen. Er lässt sich physikalisch, geometrisch oder spirituell deuten. Bei diesem Album ist der Grund für den Titel auf den ersten Blick vergleichsweise banal: Viele der Harmonien auf 5th Dimension haben eine Terz-Verwandtschaft und die Terz wiederum ist der 5. Oberton. Wesentlich geläufiger – aber eben nur eine Stufe darunter – liegt der Quintenzirkel, basierend auf dem 3. Oberton. Das ist sicher keine neue Erkenntnis und haut die wenigsten vom Hocker. Auf den zweiten Blick jedoch offenbart sich darin eine verstaubte Wahrheit, deren Wert heute in der Tat erstaunlich wenig Beachtung findet. Als ich mich intensiver mit Obertönen zu beschäftigen begann, bekam ich Antworten auf Fragen, die immer drängender wurden: Warum existieren gewisse Harmonien überhaupt? Warum funktionieren bestimmte Skalen? I
ch kannte die Regeln, aber vieles davon war lebloses Wissen. Durch die Auseinandersetzung mit Obertönen fand ich Erklärungen, die nicht nur auf der physikalischen Realität unseres Universums beruhen, sondern sich vor allem unmittelbar erfahren lassen – eine Realität, die zugleich simpel und endlos schön ist. Das hat auch mein Selbstbild als Künstler geprägt. Meine Aufgabe ist es, diese simple Schönheit hörbar zu machen – und darin bin ich immer noch Anfänger. Ironischerweise sind viele der Harmonien und Rhythmen musiktheoretisch betrachtet gar nicht so simpel. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir alle die unmittelbare Erfahrung von Musik in uns tragen und beim aufmerksamen Zuhören vieles intuitiv begreifen können.“
Tracklist
1 In Good Spirits
2 The Unseen
3 Think Twice
4 One Eye Closed
5 5th Dimension
6 Kopenhagen
7 Gleaming of the Blues
8 Look Out
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