Gastbeitrag

Die Warner E. Hodges Band im Hirsch in Glems 2025

Die Warner E. Hodges Band im Hirsch in Glems 2025
Die Warner E. Hodges Band im Hirsch in Glems 2025

Warner E. Hodges – Guitar, Vocals
Pontus Snibb – Guitar, Vocals
Keith Voegele – Bass, Vocals
Mauro Magellan – Drums

Opening Act: Sarah Borges – Guitar Vocals

Glems, 30.10. 2025

Ein „Würzburger aus Tennessee“ rockt den Hirsch

Seit vielen Jahren gehört ein gebürtiger Würzburger (der aber kein Wort „fränkisch“ beherrscht) zum festen Bestandteil des jährlichen Konzertprogramms des Kulturvereins Hirsch in Glems bei Metzingen. Sein Vater war US-Offizier und für kurze Zeit im Frankenland stationiert, kehrte dann aber wieder Anfang der sechziger Jahren mit seiner Familie in die USA zurück. Der in Tennessee aufgewachsene inzwischen  66-jährige Warner gilt laut Musikpresse als ein Gitarrist dem es gelingt die Lücke zwischen Countrymusik und Angus Young (AC/DC) zu schließen. Dementsprechend ist sein Sound kaum in ein Genre eindeutig einzuordnen. Musikkritiker bezeichnen seine Musik als „Cowpunk“ oder „Heavy-Metal-Country“. Die Countrymusik wurde Hodges schon in die Wiege gelegt, waren seine Eltern doch professionelle Country-Musiker die durch die USA tourten und die Truppen auf den Militärbasen unterhielten, nicht selten im Vorprogramm von Johnny Cash.

Die Warner E. Hodges Band im Hirsch in Glems 2025
Die Warner E. Hodges Band im Hirsch in Glems 2025

Vom Drummer zur „Angus-Leidenschaft“

Der junge Warner begann mit Schlagzeug, bis er einmal Angus Young  bei einem AC/DC Auftritt sah, der in ihm die Leidenschaft für die Gitarre entfachte und dieser Einfluss ist bis heute in seinen Konzerten eindeutig spürbar. Am Anfang seiner Bühnenkarriere tourte er noch mit seinen Eltern durch die Südstaaten, später trat er in verschiedensten Konstellationen auf. Mit der Alternative Country Band Jason & The Scorchers gehörte er in den 80er und 90er Jahren zu den Pionieren des Cow Punk. Mit Dan Baird & Amp und Homemade Sin hat er während 15 Jahren bis 2019 die Flagge des Southern Rock hochgehalten.

Jetzt versorgt Warner E. Hodges mit seiner eigenen Truppe die Bühnen dieser Welt mit reichlich High Energy Rock’n’Roll. auf. Der Gitarrenderwisch aus Nashville hat mit seinen International All Stars ein hochkarätiges Aufgebot um sich geschart. Mit Mauro Magellan (Original-Drummer der Georgia Satellites) und Pontus Snibb aus Schweden sind zwei alte Kumpels aus Homemade Sin- bzw. Jason and The Scorchers-Zeiten mit dabei. Komplettiert wird das Line-Up mit Keith Voegele (ex Bottle Rockets). 

Die Warner E. Hodges Band im Hirsch in Glems 2025
Die Warner E. Hodges Band im Hirsch in Glems 2025

Weiblich knackige Countrymusic als Anheizer

An diesem Abend hat Hodges auch einen „Supporting-Act“ dabei. Die Bostoner Gitarristin Sarah Borges hatte die ersten dreißig Minuten die „Front of Stage“ für sich, begleitet wurde sie von der Warner E. Hodges Allstar-Band, die viel Schub diesen Auftritt unterlegte. Bereits vor 20 Jahren, wurde die bis heute jung gebliebene Musikerin von der Musikpresse als brillantes Talent im Countryrock bezeichnet. Sie fegt von Beginn an mit überbordender Energie über die Bühne, liefert sich fesselnde Gitarrenduelle mit Hodges und singt sich die Seele aus dem Leib.

Auch hier fällt eine klare Einordung des Sounds schwer. Manchmal meint man ein wenig Dolly Parton herauszuhören, Minuten später übernimmt der punkige Gesang der im Stil eines Sid Vicious rüberkommt, das Kommando. Kraftvolle Gitarrenriffs werden mit gefühlvollen Country-Sound vermischt, was die Stimmung bei den knapp 100 Besuchern von Anfang an auf ein gutes Level bringt. Besser hätte man den Abend kaum beginnen können, was auch der sehr gut eingestellten Anlage zu verdanken ist, meist nicht selbstverständlich bei Vorprogrammen.

Die Warner E. Hodges Band im Hirsch in Glems 2025
Die Warner E. Hodges Band im Hirsch in Glems 2025

Die „Freeworld“ wird gerockt und ein Kuss auf die Stirn

Die Energie wird noch intensiver als Hodges und seine All Stars mit unheimlichem Drive loslegen. Wie soll es auch anders sein, schon beim ersten Riff ist Angus Young irgendwie zumindest zeitweise soundmäßig anwesend. Hodges spielt an diesem Abend alle seine Titel auf seiner „Fender Jazz“ aus den sechziger Jahren und ist in der Lage, das Instrument punkig, „Hendrixlike“, oder countrymäßig klingen zu lassen. Der zweite Mann an der elektrischen Gitarre der Schwede Pontus Snibb brilliert mit fantastischen Solis und ist technisch dem Bandleader leicht überlegen. Mauro Magallan wirbelt mit unfassbarer Vitalität über sein Drumset, was von Hodges mit einem  „I love this Man“ und einem Kuss auf die Stirn des Schlagzeugveteranen gewürdigt wird. Etwas schüchtern und im Hintergrund hält sich Keith Voegele am Bass, der den Unterbau für diesen abwechslungsreichen griffigen Sound legt.

Bei dem Cheap Trick Klassiker „Surrender“ tritt er kurzfristig als Gesangssolist ins Rampenlicht, was er recht solide bewältigt. Nicht die einzige Coverversion des Abends, das aus den frühen Jahren stammende ZZ Top Stück „When my Baby`s blue“ kommt ebenfalls mit einer Warnerschen modifizierten Version um die Ecke. Als dann am Schluss eine knallige Version von AC/DC`s  „Let there be Rock“ rausgehauen wird ist die Stimmung endgültig am Kochen. Übergangslos geht’s über in Neil Youngs „Rockin in a free World“ und die meisten der anwesenden Fans waren wohl beim Erscheinen dieses Songs altermäßig in den Zwanzigern und fühlen sich wie auf einer musikalischen Zeitreise. Bei der letzten Zugabe werden die Gitarrensaiten nicht mehr ganz so strapaziert, umso mehr die Stimmbänder der Hirschbesucher, mit dem amerikanischen John Denver All-time-Hit „Take me home Country Roads“. Wieder mal ein schweißtreibender und denkwürdiger Abend im kultigen Hirsch in Glems. Auf ein Neues im nächsten Jahr!

Harald Kümmel

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