Gastbeitrag

Alvin Mills Project im Jazzclub Bix Stuttgart 2025

Alvin Mills Project im Jazzclub Bix Stuttgart 2025
Alvin Mills Project im Jazzclub Bix Stuttgart 2025

Arno Haas (sax)
Rainer Scheithauer (keys)
Alvin Mills (b)
Stephan Schuchardt (dr)

Stuttgart, 3.1.2026

Anspruchsvoller „Schönwetter-Jazz“ und das Bassgewitter im BIX

Erstes Konzert des Jahres im Bix, ausverkauft und stimmungsvoller kann das Jazz-Jahr kaum beginnen, denn die aufregende musikalische Formation, das Alvin Mills Project eröffnet die Konzertsaison im renommierten Jazzclub. Alvin Mills hat wie immer seine treuen Gefährten um sich geschart, mit denen er seit viel mehr als zehn Jahren die Bühnen weit über Europa hinaus bespielt. Das Quartett hat eine feste Fangemeinde gebildet, sei es für diese Formation oder für die    „Zwillingsband“  Blue Fonque, seines Zeichens einer der besten Coverbands in der Szene, die in vielen Clubs immer wieder für unfassbare Stimmung sorgt.

Alvin Mills Project im Jazzclub Bix Stuttgart 2025
Arno Haas

Aufregend und dynamisch geht’s an diesem Abend mit „Don‘t catch this“ gleich los, gnadenlos funkig, und der Sound ist in der Tat kaum greifbar, ob jetzt eher rockig oder jazzig. Egal, die Zuschauer sind sofort in Bewegung und das ist in erster Linie dem knalligen Bass von Mills und dem treibenden, dynamischen Schlagzeugspiel von Stephan Schuchardt zu verdanken. Arno Haas am Saxophon und Rainer Scheithauer an den Keyboards legen innovative, virtuose und trotzdem für den Zuhörer gut konsumierbare Solis über die treibenden Rhythmuslinien.

Von Wencke Myhre über Grönemeyer und Toto bis Duke Ellington

Wenn man sich die musikalischen Lebensgeschichten der vier Protagonisten einmal anschaut, ist man verwundert, erstaunt oder gar amüsiert über die Bandbreite, die sich einem da offenbart. Drummer Stephan Schuchardt erzählt mit einem Schmunzeln im Gesicht, dass er und Saxophonist Arno Haas früher in einer richtige „Fernsehband“ spielten. Samstagabentlich in der Florian Silbereisen Show begleiteten sie regelmäßig Schlagerstars wie Wencke Myhre oder Helene Fischer,  was für das Bankkonto eines Musikers wahrscheinlich lukrativer war, oder wahrscheinlich immer noch ist, als die Gage in einem kleinen Jazzclub.

Alvin Mills Project im Jazzclub Bix Stuttgart 2025
Stephan Schuchardt

Auch die musikalische Vita von Arno Haas liest sich recht abenteuerlich, was die Vielfalt angeht. Er arbeitete mit Künstlern verschiedenster Musikrichtungen zusammen. Zeitweilig war er sehr dem Blues zugetan und war mehr als 10 Jahre festes Mitglied in der Band des amerikanischen Blues-Musikers Sidney „Guitar Crusher“. Ebenso arbeitete er mit Gitarrenlegende Alvin Lee und dem Rolling Stones Gitarristen Mick Tayler zusammen, oder auch mit Superstar Al Jarreau. Nicht selten hat er jährlich bis zu 250 Verpflichtungen in diversen Konstellationen, wie zum Beispiel bei Peter Herbolzheimer und dem Duke Ellington Orchestra. Rainer Scheidhauer hat sich zu einem den gefragtesten Keyboardern im deutschsprachigen Raum entwickelt und gehört seit vielen Jahren zum festen Tourensemble von Herbert Grönemeyer. Um aufzuzählen, bei wie vielen Künstlerin, der seit 1991 in Deutschland lebende Bassist und Bandleader Alvin Mills, als Sideman mitgewirkt hat, bräuchte man noch einige Zeilen mehr in diesem Artikel. Nena, Ronan Keating, Kim Wilde, Gloria Gaynor und Toto sind nur einige Stationen in seiner musikalischen Laufbahn.

Ein musikalischer Schönwetterflug durchs Bassgewitter

Der Abend vergeht wie im Fluge, kein Wunder, ist es doch ein musikalischer Höhenflug durch wunderbare Soundkaskaden, die das Quartett durchweg bietet. Im Gegensatz zur ihrer „Zwillingsband“ Blue Fonque sind es bei den Projektkonzerten ausschließlich Eigenkomposition, meist von Namensgeber Alvin Mills und Saxofonist Arno Haas, der einiges aus seinen Soloeinspielungen mitbringt. Der Sound kommt meist mit einer funkigen Dynamik rüber, der begeistert und die Zuschauer unwillkürlich zur ständigen Bewegung animiert. Es ist kaum möglich, bei diesem mitreißenden Sound still zu sitzen, aber es gibt auch diese ruhigen musikalischen Momente, bei denen Scheidhauer ganz in sich vertieft gefühlvoll die Tasten streichelt, oder Arno Haas seine Töne, die sein Saxophon verlassen sanft durch den Club schweben lässt.

Alvin Mills Project im Jazzclub Bix Stuttgart 2025
Rainer Scheithauer

Es ist eine perfekte Symbiose, die von dem Quartett dargeboten wird und man spürt die vielen Jahre, die diese vier Ausnahmemusiker schon zusammenspielen. Vor allem kommt der Spaß und die Spielfreude ungeschminkt rüber, was auch an den Ansagen und den Statements, die Mills zwischen den Songs, teils in Englisch, teils in Schwäbisch von sich gibt. Das Highlight ihrer Konzerte wird dem Publikum am Schluss beschert und wie soll es auch anders sein, ein immer wieder faszinierendes und unvergleichliche Bass solo vom „Bass-Großmeister“ und Namensgeber der Band – Alvin Mills. Das kann schon mal zehn Minuten und länger dauern, aber das Entscheidende ist, es kommt dabei keine Sekunde Langeweile auf, denn man traut seinen Augen und Ohren kaum, wenn man sieht und vor allem hört, was man mit solch einem Instrument alles anstellen kann.

Alvin Mills Project im Jazzclub Bix Stuttgart 2025
Alvin Mills

Watch the Slap

Es ist ein regelrechter funkiger instrumentaler „Gewittersturm“, der über das Publikum herniedergeht. Mills streichelt, schlägt, slapt (Titel des Stücks: „Watch the Slap“) sein geliebtes Instrument und man fragt sich unwillkürlich, ob man so etwas schon mal gesehen hat und warum der Mann noch keinen Award als „Bassplayer of the Year“ erhalten hat, was durchaus nachvollziehbar wäre. Zu erwähnen wäre noch, dass Mills Autodidakt und Linkshänder ist und dementsprechend auch sein Instrument auf dieser Seite spielt, was normalerweise zur Folge hätte, dass die Saiten umgekehrt aufgezogen sein müssten.

Nicht so bei Mills, die tiefste Saite liegt bei seinem Instrument unten statt oben, ein Alleinstellungsmerkmal, das besonderer Beachtung wert ist. Ungeachtet dessen ist das Spiel von Mills einfach Weltklasse, oder noch differenzierter gesagt, wie von einem anderen Stern. Schuchardt am Drumset unterlegt das Ganze mit einer gefühlvollen Dynamik und gegen Schluss gliedern sich die beiden anderen Protagonisten musikalisch perfekt ein um dann die offizielle Setlist krachend zu beenden. Die Zuschauer sind völlig aus dem Häuschen, stehende Ovationen bis dann Mills und Co mit „Check Yourself“ noch ein weiteres musikalisches Sahnestückchen kredenzen. Ein fantastischer Abend für Fans des funkigen Jazzrocks und man freut sich schon auf den nächsten Konzertbesuch bei einem Alvin Mills Project Konzert.

Harald Kümmel

Portraits von Arno Haas

Portraits von Rainer Scheithauer

Portraits von Stephan Schuchardt

Portraits von Alvin Mills