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Isabelle Bodenseh – Dignity

Dignity – Isabelle Bodenseh
Dignity – Isabelle Bodenseh

Isabelle Bodenseh – Flöten
Thomas Bauser – Hammond
Johannes Maikranz – Gitarre
Lars Binder – Drums

Veröffentlichung Februar 2026

Intimität und Authentizität

Dieser gerade veröffentlichte Tonträger der Flötistin Isabelle Bodenseh ist mehr als einfach nur eine Neuerscheinung, Sie ist eine Hommage an die Menschlichkeit und aus gutem Grund auch ihrer Familie gewidmet. Schließlich ist sie auch Mutter einer schwerstbehinderten Tochter, die sie zusammen mit ihrem Mann und ihrem Sohn nunmehr seit über 20 Jahren mit viel Engagement und Liebe betreut. Dass dies auch alle Kanäle zu einer würdevollen Grundhaltung und einem ebensolchen Zusammenleben öffnen kann, beweist sie mit „ihrer“ Sprache, mit der Musik! „Für mich persönlich ist das das bedeutsamste, authentischste und aufregendste Album meines Lebens“, sagt sie.

So besticht die 5-teilige Suite for Dignity (mit drei Bonusnummern) vor allem durch Intimität und Authentizität. Jeder Satz widmet sich einem anderen Aspekt rund um ihre Tochter Juliette: Begegnungen mit Menschen, Strukturen, Gesetzen. Momente tiefster Verletzung, Verzweiflung und deren mutvolle Überwindung, verwandelt in eine musikalische Reflexion darüber, was Menschenwürde im gelebten Alltag bedeutet – und was sie bedroht. Die Suite wird im Prolog mit schwebenden Phrasen, intoniert mit Bassquerflöte und Hammond, einhergehend mit omnipräsenter Zartheit und Zerbrechlichkeit, eröffnet. Im darauffolgenden Sospeso wird es bereits sonniger und leichter bis in Tempesta der Latin Groove Oberhand gewinnt – kochende Hammond Sounds und quirlige Querflötenexplosionen! Kantilene beginnt mit knisternder Spannung, die in eine fast sakral-ehrfürchtige und zugleich hoffnungsvolle Stimmung überleitet.

Meditative Weite und fröhlich hüpfender Erregung

Schließlich rundet Part V –Verve die Suite mit phantasievollen Hammond- und Gitarrenausflügen maßgeschneidert ab – lebendig facettenreicher Flöten-Erzählstil on top! Masha und Fly High spiegeln die Bandbreite dieses Werkes wider: Meditative Weite und fröhlich hüpfender Erregung. Das Finale mit Juliette – Epilog; nur folgerichtig, denn nicht zuletzt war die Tochter eine maßgebliche Inspirationsquelle für dieses Album. Die eingespielten Sprachfetzen deuten an worum es geht: Mit geschärfter Wahrnehmung Vorurteile zu überwinden – für ein liebevolles und würdiges Miteinander! Musikalisch werden Räume geöffnet, die genügend Platz lassen für eigene Gedankenreisen; mit offenen Akkorden, harmonisch mit dissonanten Verweilstellen, die darauf hinweisen könnten, das anzunehmen, was ist.

Summa summarum lässt sich konstatieren, dass die Flötistin, wie in ihren anderen Alben, authentisch und überzeugend rüberkommt; sagt sie doch selbst: „Ich habe immer offene Antennen und habe oft das Gefühl, durch das Leben zu fließen und dabei aufzusaugen. Ich denke, je nach momentaner Lebenssituation sind das dann wohl auch sehr unterschiedliche Dinge, denn die Themen im Leben verschieben sich ständig“
Sei hier noch erwähnt, dass die Band es hervorragend versteht, die Ideen einer Weltklasse-Flötistin musikalisch so umzusetzen, dass über den Musikgenuss hinaus Momente der Besinnlichkeit, Kontemplation und Lebensfreude entstehen.

Bernd Epple

Portraits von Isabelle Bodenseh